Montag, 6. Februar 2017

Die "Büchse der Pandora"

September 2012 - auf www.wildmohnfrau.at


Die "Büchse der Pandora"...
 
„Arabien im Islam-Fieber: Demokratie-Revolution öffnete die Büchse der Pandora zu neuen Ängsten“ titelt die Kronen Zeitung am 22. September 2012 zur Situation im arabischen Raum.

Immer wieder ist in unserer patriarchalen Gesellschaft von der „Büchse der Pandora“ zu hören und daß daraus „nichts Gutes“ kommen soll haben die meisten Menschen inzwischen auch akzeptiert.

Doch wer ist diese „Pandora“ eigentlich und warum soll aus ihrer „Büchse“ gar so viel Übel für die Welt kommen? Darüber kann uns der griechische Dichter Hesiod mehr berichten, denn er war es, der ca. 700 vor unserer Zeitrechnung in einer seiner anti-feministischen Fabeln versucht hat, die Schuld an Krieg, Tod, Krankheit und allen anderen Übeln den Frauen zuzuschreiben.


„Pandora“ ist die „All-Geberin“, ein Name der griechischen Erdgöttin Rhea. Ihre „Büchse“ ist ein diskriminierendes Symbol für ihren weiblichen, fruchtbaren Schoß aus dem alles Leben geboren wird. Noch heute verfolgt uns diese Abwertung des weiblichen Schoßes unter anderem im Brauchtum, indem bei der Geburt eines Mädchens „Büchsen“ aufgestellt werden.

Der Schoß der Erdgöttin Pandora ist das Füllhorn, aus dem uns die Erde alle Nahrung schenkt. So wie auch der biblische Name Eva „Mutter alles Lebendigen“ bedeutet. Eva war als „die göttliche Herrin von Eden“ bekannt und sie war „die Göttin des Lebensbaumes“.

Bis sich in Griechenland der „Göttervater Zeus“ und in Nordbabylonien der „christliche Gottvater“ daran machten, die alten Erdgöttinnen und ihre Priesterinnen mit Gewalt aus ihren angestammten Gebieten zu vertreiben, zu ermorden und aus den Berichten darüber entstanden die sogenannten „heiligen Bücher“ der heutigen Großreligionen oder auch die „Hauptwerke der griechischen Mythologie“.

Denn Hesiod behauptete, Zeus habe Pandora auf die Erde gesandt, um die Menschen zu strafen, die ihn beleidigt hatten und daß sie ein Gefäß bei sich trug, das nicht mit Segnungen gefüllt war, sondern mit Flüchen und aus angeblicher Neugier öffnete Pandora, wie von Zeus schon vorausgeahnt, das Gefäß und ließ die Übel unter den Menschen frei…

Schon interessant, daß deshalb bis Heute „die Büchse der Pandora“ als die Quelle des Übels in der Welt bezeichnet wird und nicht derjenige, der dieses Übel dort hinein getan hat: Göttervater Zeus persönlich! Er fühlte sich aus welchem Grund auch immer beleidigt von den Menschen und wollte sie deshalb verfluchen und er ist es, der all diese Übel von Neid, Zwist, Leid, Tod und Krankheit zu den Menschen gesandt hat.

In diesem Vorgehen zeigt sich die patriarchale Grundstruktur, daß männliche Schuld nicht benannt werden darf und die Frauen für alles Schlechte und Negative in der Welt verantwortlich gemacht werden.

Dieses Grundthema ist auch im Mythos von Eva und Adam und dem Streben nach Erkenntnis im Garten Eden wiederzufinden. Auch Eva wird von „Gottvater“ aus ihrem eigenen Paradiesgarten verbannt, als „Verursacherin der Erbsünde“ bezichtigt und mit ihr verflucht er alle Frauen, daß sie in Zukunft nur noch „unter Schmerzen das neue Leben gebären werden…“

Die „Ängste der Männer“ auf ihrem gewaltvollen Weg zur patriarchalen Machtergreifung kommen nicht aus „der Büchse der Pandora“. Weder war das zu Zeiten von Göttervater Zeus oder dem christlichen Gottvater so, noch ist das in der arabisch-islamischen Männerwelt so. Diese Ängste kommen aus den Seelen dieser Männer, die seit Jahrhunderten von den patriarchalen Großreligionen und philosophischen Denkern mit diesen frauenverachtenden Bildern geimpft wurden und werden.





 

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