Wenn Anklage Wirklichkeit schafft
„Hostienschändung“ als Mechanismus von Macht und Kontrolle Ein etwa zehnjähriger Bub namens Hanerl, der nicht einmal seinen Schreibnamen anzugeben wusste, wurde im 17. Jahrhundert im Salzburger Rupertiwinkel zum Auslöser einer tödlichen Anklage gegen seine gesamte Familie. Er berichtete, seine Mutter Anna Haindl und zwei Geschwister hätten am Heimweg vom Gottesdienst in Teisendorf im Wald zwischen Moosen und Brunnmeister die Hostien auf die Erde geworfen. Damit war nach damaliger Rechtsauffassung der Tatbestand der Hostienschändung erfüllt, der als besonders verwerflich galt. Überliefert ist dieser erschütternde Fall in „Das Salzfass“, der heimatkundlichen Zeitschrift des Historischen Vereins Rupertiwinkel.