Donnerstag, 4. Juli 2019

„Die weiblich-mütterliche und die kindheitliche Dimension im individuellen Leben und im Laufe der Menschheitsgeschichte“


Unter diesem Motto fand im April 2019 die 33. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und politische Psychologie (GPPP) in Heidelberg statt. Ludwig Janus, wissenschaftlicher Leiter und Organisator der Tagung, beschrieb die GPPP und die Moderne Matriarchatsforschung in seiner Eröffnungsrede als „Biotope, die nichts voneinander wissen…“ Damit sich dieser, für beide Seiten nicht förderliche Umstand, verändern kann, war mit Claudia von Werlhof erstmals eine Referentin aus dem Forschungsgebiet „Kritische Patriarchatsforschung – Moderne Matriarchatsforschung“ zur Tagung eingeladen und einige von uns „Hagia-Matriarchatsfrauen“ haben sich mit Neugierde und Interesse ebenfalls auf den Weg nach Heidelberg gemacht. 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Eine irokesische Perspektive der Welt - „This ceremonies are our heart and our soul.“


Schon als kleiner Junge hielt sich Tom Porter vor allem dort auf, wo die alten Frauen und Männer seines Clans zu finden waren. Als er ein junger Mann war, nannten ihn die Menschen seines Clans aufgrund seines großen Wissens über sein Volk, seine Kultur, bereits „Grandfather“ und aufgrund seiner Fähigkeit dafür wurde er zum Ältesten des Bärenclans der Mohawk-Nation gewählt. Nun ist Sakokwenionkwas ("Derjenige, der gewinnt"), so sein indigener Name, bevor er die Erde verlassen wird nach Europa gekommen, um seine Geschichten mit uns zu teilen, um die Leute hier zu inspirieren. 

Freitag, 10. Mai 2019

Klitoris - die Lustvolle


Drei Tage lang war sie das Gesprächsthema an meinem Weibamarktstand. Ganz vorne, unübersehbar, hatte ich sie positioniert. In Weiß und in Rot lag sie dort. Die meisten sahen in ihr zuerst einen Garderobenhaken, manche eine exotische Blume und nur wenige hätten sie, ohne das erklärende Schild daneben, erkannt: die Klitoris.

Alle wissen, wie ein Penis aussieht, doch fast niemand, wie eine Klitoris. Auch mir war bis vor einigen Jahren nicht bekannt gewesen, dass die Klitoris aus viel mehr besteht als nur der Klitorisperle. Als ich das erste 3D-Model einer Klitoris im Internet sah, wollte ich auch so eines haben, zum Herzeigen, zum drüber Reden können, zum Bewusstmachen, welch einen lustvollen Schatz wir Frauen in unserem Schoß tragen. Die Zeit ist überreif, dieses Schatzkästchen in unserem Schoß endlich wieder zu öffnen, so mein Resümee nach drei Tagen Weibamarkt.

Dienstag, 30. April 2019

Die „Inquisitions-Schranke“


„Das ist doch schon so lange her … es geht doch um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit … ich will mich damit nicht beschäftigen, weil da wird mir ganz anders, wenn ich nur dran denke …“ Diese und ähnliche Sätze höre ich immer wieder aus dem Munde von Frauen, wenn ich von meinem Walpurgis-Ritual erzähle, in welchem ich einen Raum öffne für das Gedenken an die als sogenannte „Hexen“ ermordeten weisen Frauen. Frauen, die sich für das Walpurgis-Ritual angemeldet haben, werden kurz davor plötzlich krank oder sind aus verschiedensten Gründen auf einmal doch verhindert. Oder möchten mit dem Feiern des Walpurgis-Rituals zumindest nicht nach außen, nicht für die Öffentlichkeit sichtbar werden.  

Freitag, 8. März 2019

Wir wollen keine Blumen, wir wollen die Welt verändern!


Mit „lukrativen Prozentaktionen“ in den teilnehmenden Geschäften und einem Abend, bei dem Frauen sich über „Mode, Schmuck, Kunst, Kosmetik, Frisur, Gesundheit uvm.“ informieren können, wird der Weltfrauentag nun schon seit einigen Jahren in einer Region hier bei uns im nördlichen Flachgau beworben und begangen. Auf facebook posten Männer am 8. März Rosenbilder und wünschen „alles Gute zum Weltfrauentag“. Frauen posten dazu „Danke“, Herzchen und Kuscheltierchen. Der Weltfrauentag verkommt seit einigen Jahren zur „Blümchen- und Plüsch-Romantik“ mit eindeutig kommerzialisierten Interessen, ähnlich dem Tamtam rund um Valentins- und Muttertag. 

Montag, 21. Januar 2019

Frauensolidarität


Eine pensionierte Kindergartenleiterin eines öffentlichen Kindergartens schreibt in einem Kommentar auf facebook darüber, wie sie die Auswirkungen des patriarchalen Systems im Rahmen ihrer Tätigkeit erlebt hat. Eine Waldorf-Kindergärtnerin antwortet ihr dazu, dass die Gestaltung der Gruppe in ihrer Verantwortung läge und es „verantwortungslos und bequem sei, sich auf das System rauszureden“.

Eine in einem großen Krankenhaus tätige Hebamme schildert in einem Kommentar, dass Hausgeburtshebammen von Krankenhaushebammen belächelt würden und Hausgeburtshebammen die Krankenhaushebammen als „entmenschlichte Roboter“ hinstellen würden.

Eine Mutter, welche die finanziellen Möglichkeit hat, eine Weile bei ihren Kindern daheim bleiben zu können, hält einer Mutter, die bald nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten gehen muss  und ihr Kind in Fremdbetreuung gibt, diesen Schritt vor. Umgekehrt blickt eine berufstätige Mutter mit Geringschätzung auf das „Heimchen am Herd“.

Frauen sind nicht von Natur aus so. Frauen wurden durch einige Jahrtausende Patriarchat so geformt, dass sie das patriarchale Gift, welches die Beziehungen von Frauen und ihre Solidarität verhindert und zerstört, inzwischen selbsttätig und effektiv untereinander verteilen. Von dieser emotionalen Mauer zwischen den Frauen profitiert das patriarchale System, welches nur überleben kann, solange es gelingt, die Frauen zu spalten und zu trennen. 

Freitag, 4. Januar 2019

„Kurzfristige Absage“ – wie kommt die Andere dazu?!


Angenommen, du hast dir Konzert- oder Theaterkarten gekauft, wirst kurzfristig krank oder bist aus einem anderen Grund verhindert – kommst du dann auf die Idee, das Geld für die Karten vom Veranstalter zurück haben zu wollen, weil du ja nicht hingehen kannst? Oder du hast einen Flug ohne Stornoversicherung gebucht, dich beim Wifi oder der VHS angemeldet – überall ist zu zahlen, egal, ob du den Kurs besuchst, das Flugzeug besteigst oder nicht.

Das, was uns bei großen Veranstaltern und Bildungseinrichtungen, die es finanziell eher verkraften könnten, nicht in den Sinn kommt, ist für mich vor meinen Veranstaltungen immer wieder ein Thema: Frauen, die kurzfristig absagen und davon ausgehen, dass ich für ihre Absage, ihre Verhinderung das finanzielle Risiko zu tragen habe. Heute ist wieder so eine Situation eingetreten. Einige Male hab ich einen Blogbeitrag zu dieser Thematik schon angedacht, nun sollte er auch geschrieben werden. 

Sonntag, 23. Dezember 2018

Ich nehme von dir und gebe von mir


Das letzte Stück Biskuitroulade hat heute Nachmittag, in Milch eingetunkt, die Geschmacksknospen meiner Tochter Lisa erfreut. Ich hab gestern Morgen den Rest von einem leckeren Thunfischsalat genossen und gestaunt, wie schnell Johannes die Biskuitroulade, ohne einen Hinweis von mir, in der Küche entdeckt hatte.

Während meine Kinder und ich das genießen, was uns die Frauen nach dem Wintersonnwendritual dagelassen haben, wird mir plötzlich bewusst, wie wir Frauen uns durch das gemeinsame Mahl bei den Ritualen gegenseitig nähren. Jede Frau leistet ihren Beitrag, jede nach ihren persönlichen Möglichkeiten und Vorlieben. Selbst gemacht oder selbst gekauft oder vielleicht auch vom Partner für uns gebacken, wie die leckere Roulade. Neue Speisen, Genüsse, Geschmäcker kommen dadurch in unser Leben. Dankbarkeit erfüllt mich für die Gaben der Frauen. 

Freitag, 21. Dezember 2018

Die goldene Kerze brennt … oder das, worum es wirklich geht


Grade noch hüllte sie die Welt draußen ein, die Dunkelheit dieser längsten Nacht des Jahres. Oder zumindest versuchte sie es, wo ihr dies noch möglich ist. Wo sie nicht schon von blinkenden und mit künstlichen Licht leuchtenden, sogenannten Weihnachtsdekorationen, verdrängt wurde.

Wir dekorieren die Erde, sie sich uns nun in ihrer wintersonnwendlichen Erscheinung präsentieren würde, mit menschengemachtem Plunder aus Plastik und übersehen vor lauter Lichtern die wahre, natürliche Schönheit dieser einzigartigen Phase im Jahreslauf. Wir hetzen durch laute Einkaufszentren, voller Menschenmassen, um Geschenke zu kaufen für die Menschen, die uns lieb sind. Doch Zeit für sie haben wir keine mehr, wie denn auch, bei all dem Weihnachtsstress. 

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Mit Fünfzig ...


Während ich in meinen runden Geburtstag hineingeträumt habe, ist der Winter gekommen hier bei uns am Haunsberg. Dicke Flocken tanzten heute Morgen den Geburtstagsreigen mit mir. Sie erinnern mich auf eindrückliche Weise daran, dass ich eine Tochter der Wintergöttin bin. Geboren in den dunkelsten Tagen des Jahres, in deren Geborgenheit ich immer mehr eintauche, je älter ich werde. 


Donnerstag, 4. Oktober 2018

100 Jahre Frauenwahlrecht


Unter diesem Titel hat das katholische Bildungswerk Kufstein gestern zu einem Vortrag mit der Journalistin Sibylle Hamann geladen. Schon länger verfolge ich ihre interessanten und wichtigen Beiträge im Falter und der Emma. Das Frauenwahlrecht erscheint Frauen in der heutigen Zeit teilweise so selbstverständlich, dass sie es nicht für nötig erachten, von dieser so wichtigen Errungenschaft ihrer Vorgängerinnen auch tatsächlich Gebrauch zu machen. Als meine Tochter Lisa als Maturathema in Englisch die Suffragetten wählte, zeigte sich ihre Englischlehrerin bei den Ursulinen sehr überrascht über diese Themenwahl. Sie musste sich selber erstmals mit diesem so wichtigen Stück Frauengeschichte beschäftigen, obwohl sie an einer, damals noch reinen Mädchenschule, mit einer jahrhundertelangen Tradition in der Bildung von jungen Frauen unterrichtete. 

Samstag, 22. September 2018

Magdalena


In dieser Nacht wechseln wir von der hellen Hälfte des Jahres in jene Zeit, in der nun die Nächte wieder für ein halbes Jahr länger als die Tage sein werden. Auch vor 21 Jahren lag dieser magische Zeitpunkt in der Nacht vom 22. auf den 23. September. Damals feierte ich in dieser Nacht jedoch nicht die Herbst-Tagundnachtgleiche, sondern hielt zum ersten Mal meine Tochter Magdalena in meinen Armen.

Als ich heute Morgen ihre Geburtstagskarte mit den Worten begonnen habe, dass es nun schon ihr zweiter Geburtstag ist, an dem sie nicht mehr daheim wohnt, kamen wieder die Tränen hoch. Ich teile Magdalenas Sichtweise, dass sich unsere Beziehung eindeutig gebessert hat, seit sie nicht mehr daheim wohnt und es ist genau dieses Loslassen, das mich meine Liebe für sie so intensiv fühlen lässt.

Wir zwei hatten es des Öfteren nicht so ganz einfach miteinander. Meine Vorstellungen davon, was Magdalena tun und lieber lassen sollte, waren zeitweise nicht wirklich kompatibel mit ihren eigenen. Heute Nachmittag, beim Anschauen eines „best of“ ihrer Kindervideos, hat mich Magdalena wieder daran erinnert, dass sie ihre Blockflötenkarriere schon viel früher als ich für wieder beendet betrachtet hatte und auch die zwei Jahre mit der Querflöte für uns Beide mehr Qual als Klang gebracht haben. 

Dienstag, 18. September 2018

Vor 25 Jahren…



Wäre nicht alles ganz anders gekommen, wie ich damals vor Pfarrer und hunderten Gästen versprochen habe, wäre ich heute 25 Jahre kirchlich verheiratet. Trotz des „bis der Tod euch scheidet“, sollte es 17 Jahre später der Richter am Oberndorfer Bezirksgericht sein, der unsere Ehe für aufgelöst erklärte. Zumindest jene, die wir 1992, an unserem Kennenlerntag, dem 31. Juli, geschlossen hatten. Am letzten Maitag vor zwei Jahren stand der Sarg von Hans in der Stiftskirche von Seekirchen genau an der Stelle, wo unser Pfarrer damals vom „bis der Tod euch scheidet“ gesprochen hatte.

Die Entwicklung, meinen 25. Hochzeitstag als geschiedene Frau zuzubringen, die war damals für mich nicht mal denkbar gewesen. Mit dem Satz „Du machst es dir leicht, ich hab auch durchgehalten!“, hat meine Mutter vor bald genau zehn Jahren auf unsere Mitteilung reagiert, dass wir uns trennen werden. Hier in meiner Familie wird „durchgehalten“, so haben es mir meine Oma und meine Mutter vorgelebt. So wie auch schon ihre Großmütter durchgehalten haben. 

Donnerstag, 30. August 2018

EMMA oder "die Rückkehr des heiligen Zorns“


Beim Frühstücken heute Morgen hab ich die neue EMMA ausgepackt. Schon beim Lesen des Editorials „Abtreibung ist ein Menschenrecht!“ von Alice Schwarzer, steigen mir die Tränen hoch und ich spüre einen Kloss im Hals. Ich bin aufgewühlt und bewegt von dem, was ich lese. Weil es die Wahrheit ist, die nackte Wahrheit, die Alice Schwarzer hier ungeschminkt zum Thema macht. Wieder einmal. Denn es geht mir meist so, wenn ich die Beiträge in der EMMA lese: ich bin dankbar dafür, dass es Frauen wie Alice Schwarzer gibt, die mit einem unglaublich langem Atem unermüdlich daran festhalten, die elementaren Menschenrechte der Frauen für uns alle einzufordern. Die immer wieder den Mut und die Kraft aufbringen, sich dem patriarchalen Irrsinn entgegen zu stellen, dessen Strukturen und Machenschaften aufzuzeigen und Frauen eine Bühne, ein Gehör, eine Ausdrucksmöglichkeit zu geben, die nicht mehr bereit sind, sich ins patriarchale Weibchen-Schema pressen zu lassen, sondern selbstständig denken und gesellschaftskritisch handeln. 

Mittwoch, 8. August 2018

Von „Berta-Frauen“, früher und heute…


„Meine Großmutter, das war noch eine richtige Berta-Frau … aber mir ist mein zweiter Vorname nur peinlich…“, so erzählte uns eine Frau gestern in der Mittagspause beim Familienaufstellungstag. Zuvor war es in einer der Aufstellungen um ein Familiengeheimnis gegangen. „Ich hab auch sowas wie ein Familiengeheimnis und das ist mein zweiter Vorname“, damit machte sie uns neugierig auf diesen Vornamen. Etwas nachbohren mussten wir schon, doch dann gab sie ihr Geheimnis preis: „Berta“!

Ohne lange zu überlegen bin ich gleich herausgesprudelt mit meinem Wissen, dass sich der Name Berta von Frau Percht ableitet, unserer großen, alten Göttin im Alpenraum. Hab ihr mit meiner ganzen Begeisterung für diese Thematik erklärt, dass der Name „Perchta“ von ahd. perachta kommt und „hell, strahlend, glänzend“ bedeute. In ihren Augen zeigte sich das Glänzen der Percht, als sie diese uralte und so besondere Bedeutung ihres „peinlichen Vornamens“ erfuhr. Ihr Gesicht war nicht mehr unangenehm berührt, sondern strahlte uns an.