Freitag, 8. März 2019

Wir wollen keine Blumen, wir wollen die Welt verändern!


Mit „lukrativen Prozentaktionen“ in den teilnehmenden Geschäften und einem Abend, bei dem Frauen sich über „Mode, Schmuck, Kunst, Kosmetik, Frisur, Gesundheit uvm.“ informieren können, wird der Weltfrauentag nun schon seit einigen Jahren in einer Region hier bei uns im nördlichen Flachgau beworben und begangen. Auf facebook posten Männer am 8. März Rosenbilder und wünschen „alles Gute zum Weltfrauentag“. Frauen posten dazu „Danke“, Herzchen und Kuscheltierchen. Der Weltfrauentag verkommt seit einigen Jahren zur „Blümchen- und Plüsch-Romantik“ mit eindeutig kommerzialisierten Interessen, ähnlich dem Tamtam rund um Valentins- und Muttertag. 

Montag, 21. Januar 2019

Frauensolidarität


Eine pensionierte Kindergartenleiterin eines öffentlichen Kindergartens schreibt in einem Kommentar auf facebook darüber, wie sie die Auswirkungen des patriarchalen Systems im Rahmen ihrer Tätigkeit erlebt hat. Eine Waldorf-Kindergärtnerin antwortet ihr dazu, dass die Gestaltung der Gruppe in ihrer Verantwortung läge und es „verantwortungslos und bequem sei, sich auf das System rauszureden“.

Eine in einem großen Krankenhaus tätige Hebamme schildert in einem Kommentar, dass Hausgeburtshebammen von Krankenhaushebammen belächelt würden und Hausgeburtshebammen die Krankenhaushebammen als „entmenschlichte Roboter“ hinstellen würden.

Eine Mutter, welche die finanziellen Möglichkeit hat, eine Weile bei ihren Kindern daheim bleiben zu können, hält einer Mutter, die bald nach der Geburt ihres Kindes wieder arbeiten gehen muss  und ihr Kind in Fremdbetreuung gibt, diesen Schritt vor. Umgekehrt blickt eine berufstätige Mutter mit Geringschätzung auf das „Heimchen am Herd“.

Frauen sind nicht von Natur aus so. Frauen wurden durch einige Jahrtausende Patriarchat so geformt, dass sie das patriarchale Gift, welches die Beziehungen von Frauen und ihre Solidarität verhindert und zerstört, inzwischen selbsttätig und effektiv untereinander verteilen. Von dieser emotionalen Mauer zwischen den Frauen profitiert das patriarchale System, welches nur überleben kann, solange es gelingt, die Frauen zu spalten und zu trennen. 

Freitag, 4. Januar 2019

„Kurzfristige Absage“ – wie kommt die Andere dazu?!


Angenommen, du hast dir Konzert- oder Theaterkarten gekauft, wirst kurzfristig krank oder bist aus einem anderen Grund verhindert – kommst du dann auf die Idee, das Geld für die Karten vom Veranstalter zurück haben zu wollen, weil du ja nicht hingehen kannst? Oder du hast einen Flug ohne Stornoversicherung gebucht, dich beim Wifi oder der VHS angemeldet – überall ist zu zahlen, egal, ob du den Kurs besuchst, das Flugzeug besteigst oder nicht.

Das, was uns bei großen Veranstaltern und Bildungseinrichtungen, die es finanziell eher verkraften könnten, nicht in den Sinn kommt, ist für mich vor meinen Veranstaltungen immer wieder ein Thema: Frauen, die kurzfristig absagen und davon ausgehen, dass ich für ihre Absage, ihre Verhinderung das finanzielle Risiko zu tragen habe. Heute ist wieder so eine Situation eingetreten. Einige Male hab ich einen Blogbeitrag zu dieser Thematik schon angedacht, nun sollte er auch geschrieben werden. 

Sonntag, 23. Dezember 2018

Ich nehme von dir und gebe von mir


Das letzte Stück Biskuitroulade hat heute Nachmittag, in Milch eingetunkt, die Geschmacksknospen meiner Tochter Lisa erfreut. Ich hab gestern Morgen den Rest von einem leckeren Thunfischsalat genossen und gestaunt, wie schnell Johannes die Biskuitroulade, ohne einen Hinweis von mir, in der Küche entdeckt hatte.

Während meine Kinder und ich das genießen, was uns die Frauen nach dem Wintersonnwendritual dagelassen haben, wird mir plötzlich bewusst, wie wir Frauen uns durch das gemeinsame Mahl bei den Ritualen gegenseitig nähren. Jede Frau leistet ihren Beitrag, jede nach ihren persönlichen Möglichkeiten und Vorlieben. Selbst gemacht oder selbst gekauft oder vielleicht auch vom Partner für uns gebacken, wie die leckere Roulade. Neue Speisen, Genüsse, Geschmäcker kommen dadurch in unser Leben. Dankbarkeit erfüllt mich für die Gaben der Frauen. 

Freitag, 21. Dezember 2018

Die goldene Kerze brennt … oder das, worum es wirklich geht


Grade noch hüllte sie die Welt draußen ein, die Dunkelheit dieser längsten Nacht des Jahres. Oder zumindest versuchte sie es, wo ihr dies noch möglich ist. Wo sie nicht schon von blinkenden und mit künstlichen Licht leuchtenden, sogenannten Weihnachtsdekorationen, verdrängt wurde.

Wir dekorieren die Erde, sie sich uns nun in ihrer wintersonnwendlichen Erscheinung präsentieren würde, mit menschengemachtem Plunder aus Plastik und übersehen vor lauter Lichtern die wahre, natürliche Schönheit dieser einzigartigen Phase im Jahreslauf. Wir hetzen durch laute Einkaufszentren, voller Menschenmassen, um Geschenke zu kaufen für die Menschen, die uns lieb sind. Doch Zeit für sie haben wir keine mehr, wie denn auch, bei all dem Weihnachtsstress. 

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Mit Fünfzig ...


Während ich in meinen runden Geburtstag hineingeträumt habe, ist der Winter gekommen hier bei uns am Haunsberg. Dicke Flocken tanzten heute Morgen den Geburtstagsreigen mit mir. Sie erinnern mich auf eindrückliche Weise daran, dass ich eine Tochter der Wintergöttin bin. Geboren in den dunkelsten Tagen des Jahres, in deren Geborgenheit ich immer mehr eintauche, je älter ich werde. 


Donnerstag, 4. Oktober 2018

100 Jahre Frauenwahlrecht


Unter diesem Titel hat das katholische Bildungswerk Kufstein gestern zu einem Vortrag mit der Journalistin Sibylle Hamann geladen. Schon länger verfolge ich ihre interessanten und wichtigen Beiträge im Falter und der Emma. Das Frauenwahlrecht erscheint Frauen in der heutigen Zeit teilweise so selbstverständlich, dass sie es nicht für nötig erachten, von dieser so wichtigen Errungenschaft ihrer Vorgängerinnen auch tatsächlich Gebrauch zu machen. Als meine Tochter Lisa als Maturathema in Englisch die Suffragetten wählte, zeigte sich ihre Englischlehrerin bei den Ursulinen sehr überrascht über diese Themenwahl. Sie musste sich selber erstmals mit diesem so wichtigen Stück Frauengeschichte beschäftigen, obwohl sie an einer, damals noch reinen Mädchenschule, mit einer jahrhundertelangen Tradition in der Bildung von jungen Frauen unterrichtete. 

Samstag, 22. September 2018

Magdalena


In dieser Nacht wechseln wir von der hellen Hälfte des Jahres in jene Zeit, in der nun die Nächte wieder für ein halbes Jahr länger als die Tage sein werden. Auch vor 21 Jahren lag dieser magische Zeitpunkt in der Nacht vom 22. auf den 23. September. Damals feierte ich in dieser Nacht jedoch nicht die Herbst-Tagundnachtgleiche, sondern hielt zum ersten Mal meine Tochter Magdalena in meinen Armen.

Als ich heute Morgen ihre Geburtstagskarte mit den Worten begonnen habe, dass es nun schon ihr zweiter Geburtstag ist, an dem sie nicht mehr daheim wohnt, kamen wieder die Tränen hoch. Ich teile Magdalenas Sichtweise, dass sich unsere Beziehung eindeutig gebessert hat, seit sie nicht mehr daheim wohnt und es ist genau dieses Loslassen, das mich meine Liebe für sie so intensiv fühlen lässt.

Wir zwei hatten es des Öfteren nicht so ganz einfach miteinander. Meine Vorstellungen davon, was Magdalena tun und lieber lassen sollte, waren zeitweise nicht wirklich kompatibel mit ihren eigenen. Heute Nachmittag, beim Anschauen eines „best of“ ihrer Kindervideos, hat mich Magdalena wieder daran erinnert, dass sie ihre Blockflötenkarriere schon viel früher als ich für wieder beendet betrachtet hatte und auch die zwei Jahre mit der Querflöte für uns Beide mehr Qual als Klang gebracht haben. 

Dienstag, 18. September 2018

Vor 25 Jahren…



Wäre nicht alles ganz anders gekommen, wie ich damals vor Pfarrer und hunderten Gästen versprochen habe, wäre ich heute 25 Jahre kirchlich verheiratet. Trotz des „bis der Tod euch scheidet“, sollte es 17 Jahre später der Richter am Oberndorfer Bezirksgericht sein, der unsere Ehe für aufgelöst erklärte. Zumindest jene, die wir 1992, an unserem Kennenlerntag, dem 31. Juli, geschlossen hatten. Am letzten Maitag vor zwei Jahren stand der Sarg von Hans in der Stiftskirche von Seekirchen genau an der Stelle, wo unser Pfarrer damals vom „bis der Tod euch scheidet“ gesprochen hatte.

Die Entwicklung, meinen 25. Hochzeitstag als geschiedene Frau zuzubringen, die war damals für mich nicht mal denkbar gewesen. Mit dem Satz „Du machst es dir leicht, ich hab auch durchgehalten!“, hat meine Mutter vor bald genau zehn Jahren auf unsere Mitteilung reagiert, dass wir uns trennen werden. Hier in meiner Familie wird „durchgehalten“, so haben es mir meine Oma und meine Mutter vorgelebt. So wie auch schon ihre Großmütter durchgehalten haben. 

Donnerstag, 30. August 2018

EMMA oder "die Rückkehr des heiligen Zorns“


Beim Frühstücken heute Morgen hab ich die neue EMMA ausgepackt. Schon beim Lesen des Editorials „Abtreibung ist ein Menschenrecht!“ von Alice Schwarzer, steigen mir die Tränen hoch und ich spüre einen Kloss im Hals. Ich bin aufgewühlt und bewegt von dem, was ich lese. Weil es die Wahrheit ist, die nackte Wahrheit, die Alice Schwarzer hier ungeschminkt zum Thema macht. Wieder einmal. Denn es geht mir meist so, wenn ich die Beiträge in der EMMA lese: ich bin dankbar dafür, dass es Frauen wie Alice Schwarzer gibt, die mit einem unglaublich langem Atem unermüdlich daran festhalten, die elementaren Menschenrechte der Frauen für uns alle einzufordern. Die immer wieder den Mut und die Kraft aufbringen, sich dem patriarchalen Irrsinn entgegen zu stellen, dessen Strukturen und Machenschaften aufzuzeigen und Frauen eine Bühne, ein Gehör, eine Ausdrucksmöglichkeit zu geben, die nicht mehr bereit sind, sich ins patriarchale Weibchen-Schema pressen zu lassen, sondern selbstständig denken und gesellschaftskritisch handeln. 

Mittwoch, 8. August 2018

Von „Berta-Frauen“, früher und heute…


„Meine Großmutter, das war noch eine richtige Berta-Frau … aber mir ist mein zweiter Vorname nur peinlich…“, so erzählte uns eine Frau gestern in der Mittagspause beim Familienaufstellungstag. Zuvor war es in einer der Aufstellungen um ein Familiengeheimnis gegangen. „Ich hab auch sowas wie ein Familiengeheimnis und das ist mein zweiter Vorname“, damit machte sie uns neugierig auf diesen Vornamen. Etwas nachbohren mussten wir schon, doch dann gab sie ihr Geheimnis preis: „Berta“!

Ohne lange zu überlegen bin ich gleich herausgesprudelt mit meinem Wissen, dass sich der Name Berta von Frau Percht ableitet, unserer großen, alten Göttin im Alpenraum. Hab ihr mit meiner ganzen Begeisterung für diese Thematik erklärt, dass der Name „Perchta“ von ahd. perachta kommt und „hell, strahlend, glänzend“ bedeute. In ihren Augen zeigte sich das Glänzen der Percht, als sie diese uralte und so besondere Bedeutung ihres „peinlichen Vornamens“ erfuhr. Ihr Gesicht war nicht mehr unangenehm berührt, sondern strahlte uns an. 

Sonntag, 10. Juni 2018

Grosse Ahnfrauen - Die jungsteinzeitlichen Wandmalereien vom Bodensee


Den 26. Mai verbinde ich, seit ich für dieses Leben hier auf der Erde angekommen bin, mit dem Geburtstag meiner Oma. Vor einem guten Jahr ist sie zu unseren Ahninnen und Ahnen gegangen. Dass der Thementag „Grosse Ahnfrauen“, organisiert von Christina Schlatter vom MatriArchiv in St. Gallen, genau am 91. Geburtstag meiner Oma auf dem Programm stand, war für mich ein Zeichen, dass ich mich an diesem Tag auf die Reise nach Zürich machen soll.

Die jungsteinzeitlichen Wandmalereien vom Bodensee, auch als sogenannte „Mütterwand“ bekannt geworden, waren Anfang der 1990iger Jahre in einer Pfahlbausiedlung bei Bodman-Ludwigshafen zum Vorschein gekommen. „Bis wir sagen konnten, wir hätten etwas begriffen, das hat gedauert“, so Helmut Schlichtherle, leitender Archäologe der Ausgrabungen am Bodenseeufer und erster Referent des Thementages rund um die großen Ahnfrauen.

2016 wurde die „Mütterwand“ in Zuge der Baden-Württembergischen Landesausstellung „4.000 Jahre Pfahlbauten“ erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich das erste Bild davon im Internet gesehen habe. Wie fasziniert ich war, so ein eindrückliches Bild von gelebter, matriarchaler Kultur und Spiritualität zu sehen. Leider sollte es nicht sein, dass ich zu dieser Ausstellung fahre. Umso dankbarer bin ich, von ihrer Besonderheit und Bedeutung anlässlich des Thementages berichten zu können, welcher in einem interdisziplinären Ansatz die archäologische, gesellschaftliche und landschaftsmythologische Betrachtungsweise dieses einzigartigen und für das 4. Jahrtausend v.u.Z. sehr überraschenden Fundes zum Inhalt hatte. 

Donnerstag, 31. Mai 2018

Wer hat da was nicht verstanden...


„Sie haben überhaupt nichts verstanden!“, das durfte ich mir heute von einem Pfarrer in Maria Plain sagen lassen, nachdem ich mir erlaubt hatte, nach der Messe kurz in den Altarraum zu gehen, um die beiden dort hängenden Votivbilder zu fotografieren.

Vor mir waren einige ältere Herren ebenfalls in den Altarraum gegangen, um in der Sakristei eine Messe zu bezahlen. Davon, dass die Messe am heutigen Fronleichnamstag mit dem Hinausgehen des Pfarrers in die Sakristei noch nicht vorbei ist, hab ich bis heute tatsächlich nichts gewusst. Ich hab überlegt, ob wir das im Religionsunterricht in der Schule gelernt hätten? Ob es dieses „Anbeten des Allerheiligsten“ nach dem Fronleichnams-Gottesdienst auch in meiner Heimatpfarre Nußdorf gibt? Bewusst wahrgenommen habe ich es dort bisher nicht. Doch vielleicht ist das so ein großes Geheimnis des katholischen Glaubens, dass mir dieses Tun bisher gänzlich verborgen bleiben sollte?

Dienstag, 22. Mai 2018

Wenn Steine von der Liebe erzählen…


Ein Herzstein, klein, ungewöhnlich in Farbe und Struktur, so gar kein typischer Salzachkiesel. „Was machst du denn hier…“, ist mein erster Gedanke, als ich ihn liegen sehe. Er liegt da und ist doch so ganz anders als die große Masse an Steinen hier auf der Sandbank von Laufen. 
 
Ein Herzstein, groß, in schlichtem grau-weiß, dick und schwer fühlt er sich an, als ich ihn in meinen Händen halte. „Wieso soll ich nun innerhalb von ein paar Minuten gleich zwei Herzsteine finden…“, das frage ich ihn. „Weil wir dir etwas über die Liebe in deinem Leben erzählen wollen, heute an diesem Pfingstmontag“, höre ich seine Antwort in mir. 

Mittwoch, 2. Mai 2018

Maien-Zwiebel & Bohnen-Magie


Die Zwiebeln in meiner Speis, auch sie spüren die ungebändigte Kraft des Frühlings. Kräftig treiben sie aus, trotz Dunkelheit und Getrenntsein von Mutter Erde. Zeit, sie zu Mittag Teil meines Bohnensalats werden zu lassen. Ich schneide den grünen Zwiebeltrieb ab und blicke staunend ins Herz der Zwiebel.

Es ist der 1. Mai. Seit sechs Uhr morgens höre ich unsere Blasmusik im Dorf unten spielen. Sie wecken die Menschen, damit sie auch in der heutigen Zeit nicht darauf vergessen, dass die sinnlich-wonnevolle Maienzeit angebrochen ist. Allerorts werden bald die Maibäume aufgestellt, in denen sich bis heute symbolisch die phallische, männliche Kraft mit dem immergrünen, lebensschenkenden Schoß der Erde vereint. Vergangene Nacht haben wir hier bei uns am Haunsberg die Walpurgisnacht gefeiert. Haben dabei die Wiedergeburt der Liebeskraft gefeiert, uns mit der schöpferischen, Fruchtbarkeit schenkenden, roten Erdenkraft verbunden.