Donnerstag, 30. April 2020

„Hexen“ – warum wir so wenig von ihrer Geschichte erfahren und was daran auch noch falsch ist


Die „Hexe“ ist uns allen aus „Hänsel und Gretel“ bekannt. „Hexe“ ist eine der beliebtesten Faschingsverkleidungen. „Hexen“ begegnen uns als alte, runzelige, bösartige Frauen. Oder als lüsterne Verführerinnen, die es nur darauf abgesehen haben, Männer mit ihren sexuellen Reizen in die Falle zu locken. Manche Frauen bezeichnen sich als „gute Hexe“. In ihrem Weltbild gibt es also auch „schlechte Hexen“, von denen sie sich natürlich abgrenzen und distanzieren müssen, um damit die patriarchale Spaltung der Frauen in „brave und böse“ nicht hinterfragen zu müssen.

Die Nacht vor dem ersten Mai ist die sogenannte „Walpurgisnacht“. Heute Nacht sollen die „Hexen“ auf ihren Reisigbesen auf den Blocksberg, dem Brocken im Harz, fliegen, um es dort lüstern und ausschweifend mit dem Teufel zu treiben. So beurteilten die Kirchenmänner den vorchristlichen Brauch der heiligen Nacht vor der Venusgeburt am 1. Mai. Bis heute wirken und leben diese diffamierenden, aus ihrer eigenen, unterdrückten Sexualität entsprungenen Fantasien der Mönche und Priester, in unserer „modernen“ Welt weiter. 

Mittwoch, 29. April 2020

Regentage


Ich liebe Regentage. Ich habe sie auch schon da geliebt, als viele Menschen mit ihnen noch ein Problem hatten. Meine Liebe für den Regen blieb auch dann beständig, wenn es hier in meiner Salzburger Heimat nicht nur einen oder zwei Tage geregnet hat, sondern wochenlang.

Früher einmal, als sich in Salzburg noch niemand vorstellen konnte, dass die Moderatorin von Salzburg Heute bevorstehende Regentage mit Erleichterung in ihrer Stimme ankündigen würde, da war Salzburg berühmt und auch berüchtigt für ihren Schnürlregen. Ob es geholfen hätte, ihn frühzeitig unter Schutz zu stellen, um ihn auch für nachfolgende Generationen zu bewahren? 

Donnerstag, 23. April 2020

Georg – vom Fruchtbarkeitsheros zum ritterlichen Drachentöter


Heute ist Georgitag. In meiner Heimatgemeinde Nußdorf am Haunsberg steht Georg als jugendlich-ritterlicher Drachentöter oben am Hochaltar. In der Chronik ist über das Patrozinium unserer Pfarrkirche nachzulesen, dass diese ursprünglich auch der Hl. Margarethe mit dem Drachen geweiht war. Heute ist von dieser Drachenfrau in unserer Kirche jedoch nichts mehr zu sehen. Ob ihr Verschwinden mit der Verwandlung des Hl. Georgs vom Bauern zum ritterlichen Drachentöter zu tun haben mag? 

Sonntag, 5. April 2020

Den Segen bringt uns der Buschen!


Wie kommt der Palmbuschen in Zeiten von Corona zum Segen „von oben“? Diese Frage beschäftigt Kirchenmänner und wohl auch noch einige Frauen und Männer aus dem Kirchenvolk, wie Berichte über Online-Gottesdienste mit Palmbuschen-Segnung oder eine Segens-Anleitung der Kirche für die Familien daheim zeigen.

Der Pfarrer soll sich seinen Segen sparen!“, so spricht ein Bergknappe aus dem Gasteinertal in der Sage „Ein zauberischer Perchtenlauf“ aus dem Salzburger Sagenbuch von Josef Brettenthaler. Er weiß auch, warum er das fordert, denn nachdem er, so wie ihm ein altes Weib gesagt hatte, „vierzehn Tage vor dem Perchtenlauf kein Wort gebetet und kein Kreuz gemacht hatte“, erlebte er einen Perchtenlauf, bei dem er „sich hoch in die Lüfte erhob und über dem nahen Wald schweben blieb“ – solange, bis der Pfarrherr erschien und diesem „höllischen Blendwerk“ durch den Segen mit dem Allerheiligsten ein Ende setzte und der Bergknappe „gleich einem Stein zu Boden stürzte“. 

Donnerstag, 19. März 2020

In den Tag hineinleben


Gestern Abend ist es passiert. Ich saß vor meinem PC, schrieb auf Skype eine Nachricht an meine Tochter Lisa und wusste nicht mehr, welchen Wochentag wir haben. Ich konnte nur noch greifen, dass es „während der Woche“ sein muss und nicht Wochenende, doch auch bei allem hektischen Nachdenken fand ich keine terminlichen Anhaltspunkte in meinem Kopf, an denen ich hätte festmachen können, ob nun Dienstag oder Mittwoch oder Donnerstag ist.

Der Adrenalinspiegel stieg kurzzeitig an. Denn bisher hatte ich immer genau gewusst, welchen Wochentag wir haben, da ich jeden Tag ganz unterschiedliche, berufliche Termine und Veranstaltungen hab und darum ist mein Terminkalender für die nächsten Tage immer in meinem Kopf, um nur ja auf keinen zu vergessen. Und selbst wenn ich in den nächsten Tagen keinen konkreten Termin hatte, dann waren in meinem Kopf doch die Veranstaltungen und Termine der nächsten Woche. 

Mittwoch, 18. März 2020

Corona bringt uns das Leben zurück…


In der Natur hat das große Wachsen unübersehbar begonnen. Im immer mehr erwachenden Frühling geht alles nach Draußen, hinein ins Leben. Natürlicherweise waren auch wir Menschen in diesen jahreszeitlichen Zyklus eingebunden, mit unseren Tätigkeiten, mit unserem ganzen Dasein. Die natürliche Ökonomie, die naturverbundene Wirtschaftsform der Subsistenzwirtschaft folgte diesem jährlichen Kreislauf von Werden, Wachsen, Reifen, Vergehen, Transformation und Wiederkehr. Immerwährendes Wirtschaftswachstum mit immer noch mehr Umsatz, immer noch mehr Gewinnen, immer noch globaler vernetzt, läuft diesem zyklischen, in die natürlichen Kreisläufe eingebundenem Wirtschaften diametral entgegen. 

Montag, 6. Januar 2020

Die Geschichte der hl. Drei Könige...



Die Geschichte der hl. Drei Könige erinnert uns daran, immer wieder „hinter die Kulissen“ zu blicken. Vieles ist nämlich gar nicht so, wie es vordergründig erscheinen mag. Die Menschen des alten Volkes nannten den 6. Jänner „großer Perchtentag“. Bis heute heißt er so in den ländlichen Regionen meiner Salzburger Heimat und bis heute finden an diesem Tag die großen Schönperchtenumzüge statt – wenn nicht grade das Dreikönigsspringen in Bischofshofen auf dem Programm steht.

Nur an Epiphanie, dem Tag der „Erscheinung“ erschien Frau Percht, die alte Göttin des Alpenraums, ihren Menschenkindern in ihrer dreifachen Gestalt als weiße Frühlingsgöttin, als rote Lebens- und Liebesgöttin und als schwarze Herbst und Wintergöttin. Dieser Tag war für die Menschen des alten Volkes so bedeutsam, dass sich die Kirche im Zuge der Missionierung entsprechend was einfallen lassen musste. Nur Könige waren würde und mächtige genug, um die alte Göttin von ihrem angestammten Festtag zu verdrängen. 

Sonntag, 22. Dezember 2019

Pathologische Männerfixiertheit


Zum fünften Todestag von Udo Jürgens zur Wintersonnenwende teile ich heute Morgen auf facebook sein Lied „Der Mann ist das Problem“, gesungen 2014 bei seinem letzten Konzert in Zürich. Udo Jürgens bringt in diesem Lied die männlich-patriarchalen Tatsachen in bemerkenswerten Worten anschaulich auf den Punkt:

Wer hält sich für den Größten, seit sich diese Erde dreht
Wer spaltet die Atome, bis das ganze Land untergeht?
Wer rast wie ein Gestörter
Drängelt auf der Autobahn
Wer traut sich nicht zum Zahnarzt
Aber Kriege fängt er an?
Es ist der Mann
Ja, ja der Mann

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Wintersonnwend-Zeit in Morgenrot und Abendgold


In ein paar Tagen ist es soweit. Zur Wintersonnenwende gebiert die kosmische Göttin das kleine Sonnenkind aus ihrem Schoß wieder. Ein magisches Geschehen, das die Menschen schon viele Jahrtausende vor dem Erscheinen der christlichen Missionare gefeiert haben, welche uns bis heute erzählen, dass Jesus „das Licht der Welt“ wäre, obwohl wir doch tagtäglich, Jahrein, Jahraus erleben, wie die Sonne das Licht in unsere Welt bringt.

Dienstag, 29. Oktober 2019

Risiko Pille – „sie verhütet und er kommt“


Am gestrigen Abend habe ich mir die Zeit genommen, um den Film „Was wir wussten – Risiko Pille“ in der ARD-Mediathek anzuschauen. Dieser Film beruht auf wahren Schicksalen vieler junger Frauen weltweit und bringt die Skrupellosigkeit der Pharmakonzerne, mit der sie die Gesundheit und das Leben vor allem von sehr jungen Frauen aufs Spiel setzen: ARD-Mediathek: "Was wir wussten - Risiko Pille" - bis 7.12. verfügbar

Die Pillen der sogenannten „dritten und vierten“ Generation werden als „besonders gut verträglich“ angepriesen und neben der Verhütungswirkung wird auch mit dem Effekt, dass diese Pillen die jungen Frauen „schöner“ machen sollen, weil sie gegen Akne wirken, gezielt eingesetzt – dass diese Pillen das Thrombose-Risiko stark erhöhen und seit ihrer Markteinführung die Fälle von Lungenembolien und Schlaganfällen bei jungen Frauen signifikant angestiegen sind, wird von den Pharmakonzernen und auch von Frauenärzten und Gynäkologinnen als „Einzelfälle“ abgetan. 

Montag, 30. September 2019

Das goldene Blatt


Plötzlich liegt es da auf meinem Tischerl am Balkon, dieses goldene Blatt. Zu den herbstlichen Schätzen, die ich aus dem Weinviertel mitgebracht habe, hat es sich gesellt. Wie lange es dort wohl schon liegt und wie lange es liegen bleiben wird, das frage ich mich. Wann wird es mit dem stürmischen Herbstwind, der seit heute Morgen über den Haunsberg braust, wieder weiterreisen? Wohin wird diese Reise in die Vergänglichkeit dieses Blatt noch führen? Wie weit wird dieser Weg noch sein? Dorthin, wo es, wenn es ihre herbstliche Reise vollendet hat, endgültig liegenbleiben wird, um sich zu neuem Humus zu verwandeln. Vielleicht werden dort ganz viele andere, goldene Blätter liegen, vielleicht aber auch nicht. 

Donnerstag, 4. Juli 2019

„Die weiblich-mütterliche und die kindheitliche Dimension im individuellen Leben und im Laufe der Menschheitsgeschichte“


Unter diesem Motto fand im April 2019 die 33. Jahrestagung der Gesellschaft für Psychohistorie und politische Psychologie (GPPP) in Heidelberg statt. Ludwig Janus, wissenschaftlicher Leiter und Organisator der Tagung, beschrieb die GPPP und die Moderne Matriarchatsforschung in seiner Eröffnungsrede als „Biotope, die nichts voneinander wissen…“ Damit sich dieser, für beide Seiten nicht förderliche Umstand, verändern kann, war mit Claudia von Werlhof erstmals eine Referentin aus dem Forschungsgebiet „Kritische Patriarchatsforschung – Moderne Matriarchatsforschung“ zur Tagung eingeladen und einige von uns „Hagia-Matriarchatsfrauen“ haben sich mit Neugierde und Interesse ebenfalls auf den Weg nach Heidelberg gemacht. 

Mittwoch, 15. Mai 2019

Eine irokesische Perspektive der Welt - „This ceremonies are our heart and our soul.“


Schon als kleiner Junge hielt sich Tom Porter vor allem dort auf, wo die alten Frauen und Männer seines Clans zu finden waren. Als er ein junger Mann war, nannten ihn die Menschen seines Clans aufgrund seines großen Wissens über sein Volk, seine Kultur, bereits „Grandfather“ und aufgrund seiner Fähigkeit dafür wurde er zum Ältesten des Bärenclans der Mohawk-Nation gewählt. Nun ist Sakokwenionkwas ("Derjenige, der gewinnt"), so sein indigener Name, bevor er die Erde verlassen wird nach Europa gekommen, um seine Geschichten mit uns zu teilen, um die Leute hier zu inspirieren. 

Freitag, 10. Mai 2019

Klitoris - die Lustvolle


Drei Tage lang war sie das Gesprächsthema an meinem Weibamarktstand. Ganz vorne, unübersehbar, hatte ich sie positioniert. In Weiß und in Rot lag sie dort. Die meisten sahen in ihr zuerst einen Garderobenhaken, manche eine exotische Blume und nur wenige hätten sie, ohne das erklärende Schild daneben, erkannt: die Klitoris.

Alle wissen, wie ein Penis aussieht, doch fast niemand, wie eine Klitoris. Auch mir war bis vor einigen Jahren nicht bekannt gewesen, dass die Klitoris aus viel mehr besteht als nur der Klitorisperle. Als ich das erste 3D-Model einer Klitoris im Internet sah, wollte ich auch so eines haben, zum Herzeigen, zum drüber Reden können, zum Bewusstmachen, welch einen lustvollen Schatz wir Frauen in unserem Schoß tragen. Die Zeit ist überreif, dieses Schatzkästchen in unserem Schoß endlich wieder zu öffnen, so mein Resümee nach drei Tagen Weibamarkt.