Montag, 6. Februar 2017

african spirit

Sonntag, 24. März 2013 - von www.wildmohnfrau.at


"In den afrikanischen Rhythmen fühlen wir den Herzschlag des Kontinents und damit auch uns selbst." - "Wir verstehen oft die Weltsicht eines anderen Menschen nicht, aber wir verstehen seine Geschichten, seine Musik oder seinen Tanz...." (african spirit)

Während draußen der kalte Wind ums Haus pfeifft an diesem Palmsonntagmorgen, bin ich schon seit fünf Uhr Morgens  aus dem kuschelig warmen Bett und sitze hier an meinem Laptop. "Um nicht der Palmesel" zu werden, könnten manche nun meinen. Doch ich bin in einem Alter angekommen, da hat frau prinzipiell kein Problem mehr damit, am Palmsonntag so lange liegen bleiben zu dürfen, daß sie "der Palmesel" wird. Doch heute Morgen überlasse ich diese Ehre gerne meinen Lieben.


Am Sonntagmorgen ganz früh aufzustehen, während alle noch schlafen, das hat für mich hin und wieder eine ganz besondere Qualität. Heute ist so ein Morgen. Nicht müde und erschöpft wie die Tage der vergangenen Woche bin ich heute um 5 Uhr erwacht, sondern frisch und munter hab ich mich gefühlt. Voller Tatendrang und vor allem: voller pulsierender und schwingender Energie in mir!

Nach Tagen und Wochen mit viel zu wenig Bewegung und viel zu vielen Stunden hier am Laptop mit dem Vorbereiten meiner Vorträge beschäftigt, gestern nun die Kehrtwende: zuerst mein Bauchtanz-Nachmittag mit vielen kreisenden, schüttelnden und schwingenden Bewegungen und von dort ging es dann gleich weiter ins Emailwerk in Seekirchen, wo "african spirit" an diesem Abend mit westafrikanischen Rhythmen den kalten Wind draußen schnell vergessen haben lassen.

Dieser Abend hat mich auf verschiedenen Ebenen berührt. Auf der körperlich-energetischen Ebene hat er mir wieder einmal aufgezeigt, wie sehr ich es selbst in den Hand bzw. in meinen Beinen und Hüften und Armen und Gelenken habe, ob sie sich müde und schlapp oder voller Energie und Kraft anfühlen. Denn diese zwei Stunden Rythmus und intensiver Tanz haben meine Energien derart in Schwingung versetzt, daß auch heute Morgen mein ganzer Körper pulsiert und meine Lebensgeister ganz neu im Fluß sind in mir.

Auf der sozial-kritischen Ebene hat mir dieser Abend wieder sehr eindrücklich vor Augen geführt, WIE blockiert und gehemmt, wie steif und leblos viele Menschen in unserer westlichen Welt geworden sind. Denn vielen BesucherInnen ist es gelungen, bei diesen machtvollen Rhythmen auf Stühlen sitzend dem Konzert nur zuzuhören. Vielleicht ein wenig mit den Füssen mitwippen oder hin und wieder mit den Fingern den Rhythmus auf die Stehtische klopfend, aber das afrikanische Feuer tiefer in sich aufzunehmen und sich davon in Schwingung und Bewegung versetzen zu lassen, dieser so entscheidende Schritt für eine Rückkehr in unsere natürliche Lebendigkeit und Lebensfreude war vielen Menschen gestern Abend nicht möglich gewesen.

Freie, unkontrollierte, lustvolle, kraftvolle Bewegungen sind eine Bedrohung für eine Gesellschaft, in der die Menschen als fleißige Arbeitskräfte und folgsame BürgerInnen zu funktionieren haben, dieses patriarchale Gesetz war gestern Abend deutlich spürbar gewesen. Umso dankbarer bin ich dafür, daß ich mich aus diesen Blockierungen in meinem Leben bewußt immer mehr löse und mich dem Puls des Lebens wieder hingeben kann.

Doch am meisten haben mich gestern Abend die Bilder berührt, mit denen der Bühnenhintergrund uns in die afrikanische Welt mitgenommen hat! So viele kraftvolle, fröhliche, aus ihrem Inneren heraus strahlende Menschen aus Afrika haben sich uns gezeigt. Eine Schönheit und Würde sprach aus diesen Menschen, die mein Herz ganz tief berührt hat. Kinderaugen mit einem Leuchten und einem inneren Feuer, das bei unseren Kindern hier nur noch selten zu finden ist. 

Schon als ich vor einigen Jahren "Afrika! Afrika!" von André Heller in Salzburg erleben durfte und all diese schönen, kraftvollen, lebendigen Menschen über die Bühne wirbelten und tanzten, spürte ich in mir das Unverständnis darüber, wie sich der "weiße Mann" hatte anmaßen können, diese Menschen und ihre faszinierende Kultur als "primitiv" abzuwerten, um sich damit selbst die Legimitation zu geben, die afrikanischen Völker und ihre mütterliche Erde auszubeuten und zu kolonialisieren.

Bis heute werden wir hier im Westen in den Medien großteils mit Bildern aus Afrika manipuliert, die uns nur Krieg, Leid und verhungerte Kinder zeigen und es wird so getan, als wäre das "afrikanische Volk" selbst dafür verantwortlich. Doch vieles von dem, was dort heute passiert, ist eine Folge dessen, was der "weiße Mann" dem afrikanischen Volk über die Jahrhunderte angetan hat.

Kürzlich ist mir auf facebook ein interessanter Dialog begegnet. Vier afrikanische Kinder gehen gemeinsam übers Land und ein kluger Mensch hat ihnen folgende Worte in den Mund gelegt: "Die Kinder in Europa werden gezwungen, sechs Stunden in Klassenzimmern zu sitzen, werden mit Drogen ruhig gestellt, wenn sie sich zu viel bewegen oder zu laut sind und ihre primäre Quelle von Unterhaltung sind Fernsehen und Computer." Darauf ein anderes afrikanisches Kind dazu aus der Runde: "Das ist ja schrecklich...wir sollten einen Spendenfonds für sie einrichten."
Dieser Perspekivenwechsel ist hier in Europa dringend angesagt...

Bilder sprechen so wie Rhythmen direkt zu unserer Seele. Meine Seele genoß die Wohltat der schönen, afrikanischen Bilder gestern Abend in vollen Zügen. So wunderbare Frauenbilder sprachen zu ihr und die Schönheit der Menschen auf den Bildern wurde verstärkt und bestätigt durch die faszinierende Ausstrahlung der afrikanischen KünstlerInnen auf der Bühne.

Ich habe versucht, einige dieser Bilder für Euch einzufangen. Auch wenn mir das aufgrund der Lichtverhältnisse nicht so gut gelungen ist, wie ich mir das gewünscht hätte, so möchte ich Euch nun doch mitnehmen in jene afrikanische Bilderwelten, die meiner Seele gestern Abend Heilung und neue Zuversicht geschenkt haben.





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