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Wenn Anklage Wirklichkeit schafft

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„Hostienschändung“ als Mechanismus von Macht und Kontrolle  Ein etwa zehnjähriger Bub namens Hanerl, der nicht einmal seinen Schreibnamen anzugeben wusste, wurde im 17. Jahrhundert im Salzburger Rupertiwinkel zum Auslöser einer tödlichen Anklage gegen seine gesamte Familie. Er berichtete, seine Mutter Anna Haindl und zwei Geschwister hätten am Heimweg vom Gottesdienst in Teisendorf im Wald zwischen Moosen und Brunnmeister die Hostien auf die Erde geworfen. Damit war nach damaliger Rechtsauffassung der Tatbestand der Hostienschändung erfüllt, der als besonders verwerflich galt. Überliefert ist dieser erschütternde Fall in „Das Salzfass“, der heimatkundlichen Zeitschrift des Historischen Vereins Rupertiwinkel. 

Barbara, Hoffnungsbringerin in finsterer Zeit

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Heiliges Weibsbild und blütenreiche Lichtgöttin  Die Heilige Barbara zählt zu den bekanntesten Frauengestalten der katholischen Tradition. Auf vielen Altären erscheint sie gemeinsam mit Katharina und Margarethe als eine der „Drei Heiligen Madl‘n“. Als Nothelferin wird sie besonders als Begleiterin der Sterbenden angerufen. Ihr Gedenktag wird am 4. Dezember gefeiert. Erkennbar ist sie an zwei Hauptattributen: dem Turm mit drei Fenstern und dem Kelch mit Hostie. Diese Symbole verweisen auf die Legenden, die sich um ihr Leben ranken. Geschichten, deren historische Echtheit zwar zweifelhaft ist, die jedoch ein lebendiges Volksbrauchtum geprägt haben. 

Hans Wurst, Heros der Alpen

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Zyklische Männlichkeit zwischen „Pritsche“ und „Poppin“  Seinen großen Auftritt hat er jedes Jahr beim Rupertikirtag am Salzburger Domplatz: der „Hans Wurst“, eine mythologische Figur, die eng mit dem heimischen Brauchtum verbunden ist. Er tritt mit grünem Hut, rotem Wams und seiner „Pritschen“ in Erscheinung. Mit dieser streicht der „Hanswurstn“, wie er von den Einheimischen bezeichnet wird, den weiblichen Besucherinnen des herbstlichen Volksfestes über deren „Kehrseite“. Glück, Segen und vor allem Fruchtbarkeit schenkt er mit diesem „Klaps“ auf das Hinterteil von Mädchen und jungen Frauen, der kein sexistisch derber Übergriff ist, wie Johannes Rupert Franz, seit 1998 amtierender Hans Wurst, auf seiner Website betont. 

St. Alban im Tal

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Vom zyklischen „Köpferollen“ zur Sommersonnenwende   Als kulturelle Besonderheit steht die Filialkirche St. Alban auf einer kleinen Anhöhe in der gleichnamigen Ortschaft, die zur Gemeinde Lamprechtshausen gehört. Im Volksmund wird dieser Weiler bis heute mit seiner ursprünglichen Bezeichnung „Tal“ genannt. Erste urkundliche Erwähnungen von 1170 sprechen von „in loco tal“ (im Ort Tal), womit auf die Lage im Oichtental Bezug genommen wurde. Die im 12. Jahrhundert errichtete, kleine Kirche ist dem heiligen Alban von Mainz geweiht. Dieser soll als Missionar eine historische Gestalt im Kontext der christlichen Frühgeschichte sein, obwohl seine Lebensdaten sehr unsicher sind. 

Die „Schlafende Hexe“

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Vom widerständigen „Hexenbusen“ und katholischen Mäntelchen   Weitum sichtbar liegt die im Volksmund als „Schlafende Hexe“ bezeichnete Bergformation des Lattengebirges am Eingang ins Berchtesgadener Land. Sowohl von der Salzburger als auch von der bayerischen Seite ist das Profil einer liegenden Frau deutlich zu erkennen. Der Kopf mit der auffällig ausgeprägten Nasen- und Kinnpartie sowie der „Hexenbusen“ bilden eine markante Felsgestalt, zu deren Entstehung die heimische Sagenwelt Folgendes zu berichten weiß:

Eine Frau am Kreuz: Die „Kümmernis“

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Befreit von Kümmernissen, Nöten und Leid durch weibliche Magie   An der Landesstraße von Obertrum nach Seeham liegt im Ortsteil Seeleiten die „Schnellingerkapelle“. Über einem einfachen Holzaltar hängt ein Farbdruck der Hl. Kümmernis. Eine Tafel mit der Kümmernislegende ist darin ebenso zu finden wie ein Gebet zu dieser seltsamen Heiligen mit Bart. Die in der Kapelle nachzulesende Version der Legende stammt von Konrad Schwach und wurde 1924 in „Blätter für Heimatkunde“ veröffentlicht:

Die schönen Wasserfrauen tanzen im vollen Mondlichte

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Von den andersweltlichen Verlockungen am Mattseer Wartstein  Dort, wo die Wartstein-Felswand am schroffsten und der See am tiefsten, da befand sich einst ein Eingang in das Andersweltparadies in den Tiefen des Sees. Besonders zu Vollmond taten Menschen, die des nächstens am See trieben, gut darin, ihre Augen so lange zu schließen, bis ein Wölkchen das auf dem Wasser golden glänzende Mondlicht bedeckte. Im Lichte des vollen Mondes tanzten nämlich die schönen Wasserfrauen gerne ihren lüsternen Tanz. Auf Nimmerwiederkunft wäre Einer verloren, ließe er sich von diesen Tänzen mitverlocken und er erführe große Kümmernis, so schildert Herbert Handlechner in „Alte Geschichten und Sagen aus der Gegend um den Tannberg, Buchberg und Haunsberg“ eine Nixensage des Schriftstellers Anton Breitner aus dem Jahre 1883. 

Matriarchat meets Göttinnenkonferenz

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  Oder: Zwischen patriarchalen Realitäten und matriarchalen Perspektiven „Ich versuche mir vorzustellen, wie sich ein Leben in einer matriarchalen Gesellschaft anfühlen mag…“ – unter diesem Titel habe ich nach dem Matriarchatskongress 2017 in Jena meine Erkenntnisse, Gedanken, Eindrücke, Gefühle reflektiert, sortiert und in einem Blog-Beitrag zum Ausdruck gebracht. In der MutterlandBriefe Ausgabe 12 vom Winter 2017 kann dieser nachgelesen werden. Sieben Jahre später gehe ich nun wieder intensiv mit diesem Versuch schwanger. Inspiriert und genährt durch die heurige Göttinnen-Konferenz in Blaubeuren, an welcher durch die Initiative von Dagmar Lilly Margotsdotter und Uscha Madeisky auch Yelfia Susanti aus der matriarchalen Kultur der Minangkabau in West-Sumatra/Indonesien teilgenommen hat. Mit dem Trailer ihres 2019 erschienen Dokumentarfilms „Mutterland“, welcher aus der Perspektive von Yelfia aus ihrem Alltag erzählt, vermitteln Dagmar Lilly und Uscha den Teilnehmerinnen der ...

Räuchern - Atem der Erde

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Das Räuchern ist seit Jahrtausenden ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Unsere Vorfahrinnen und Vorfahren räucherten am offenen Feuer, um damit ihre Botschaften, ihre Gebete und ihren Dank „nach oben“ zu schicken. Das Entzünden von Räucherwerk gehört zu den ältesten rituellen Praktiken der Menschheit und Räucherzeremonien waren in allen Kulturen weltweit gegenwärtig. Nachdem das Räucherwissen in unserem Kulturkreis im vergangenen Jahrhundert plötzlich versiegt war, beginnt diese Quelle seit einigen Jahren wieder verstärkt zu rauchen und zu duften. Das Räuchern hat sich zu einem modernen Trend entwickelt und eine Vielzahl von Räuchergefäßen erleichtert den Umgang mit Räucherwerk und Feuerquelle. Es ist die Feuerkraft, welche beim Räuchern zur Transformation verwendet wird. Ob nun Räuchern auf der Kohle, mit einem feinmaschigen Räuchersieb und einer Kerze oder dem direkten Verglimmen von Kräutern wie Beifuß oder Salbei in einer Muschelschale: immer löst das Feuer den „...

Eine versunkene Stadt im Mattsee

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Von der paradiesischen Anderswelt im Flachgauer „Muttersee“ Dort, wo heute der Mattsee liegt, befand sich einst eine große, schöne Stadt. Diese versank im emporquellenden See, nur die beiden äußersten Enden blieben stehen. Deshalb wird das obere Ende bis heute als „Obertrum“ bezeichnet und das untere als „Niedertrum“. Bei der Ortschaft Stein sieht man bei niedrigem Wasser eine Stiege auf einem großen Stein. Zur Zeit einer großen Hungersnot sollen in der Nähe von Gebertsham mitleidige Frauen dieser Stadt für die Armen gekocht haben. So nachzulesen im „Oberösterreichischen Sagenbuch“ von Adalbert Depiny von 1932.

Der steinerne Brotlaib und Frau Welt - Von katholischen Wunderzeichen und vorchristlichen Kultsymbolen

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In der frisch renovierten Wallfahrtskirche Maria im Mösl in Arnsdorf bei Lamprechtshausen hängt er an einer Kette als runder Stein an prominenter Stelle im Altarraum neben dem Kirchengestühl. Etwas versteckter befindet er sich in der Salzburger Stiftskirche von St. Peter im Vorraum gleich hinter dem Eingangsgitter. Breite, aus Eisen geschmiedete Bänder halten die sogenannten „Steinerne Brotlaibe“, von denen „Das große Salzburger Sagenbuch“ von Josef Brettenthaler zu erzählen weiß:

„Mariä Aufnahme in den Himmel“

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Von katholischen Himmelfahrten und dem „Hohen Frauentag“  Die „Gottesmutter Maria“, mit allen ihren Titeln, ist die mit Abstand beliebteste Patronin katholischer Gotteshäuser. Sie lässt damit alle anderen, vorwiegend männlichen Heiligen, deutlich hinter sich. Diese „Marien-Patronate“ beziehen sich auf die aus der Volksfrömmigkeit stammenden Marientitel, denen zentrale Ereignisse aus dem Leben der „Gottesmutter“ zugrunde liegen würden, so die katholische Legendenbildung.

Vom Brot des Lebens

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Die „Laurenzi-Brotweihe“ in Niederheining bei Laufen  Goldgelb glänzen die Getreidefelder in der Juli-Sonne und wiegen sich im Sommerwind. Die sommerliche Hitze sorgt dafür, dass das Getreide reif wird. Bevor es die Sonnenkraft ganz verdorrt, kamen in früheren Zeiten die Schnitterinnen mit ihren Sicheln und begannen mit der Ernte des Getreides. Eingebettet in die Zyklen des Jahres, brachten sie die Ernte ein, denn nur so war das Überleben der Sippe über den Winter gesichert. Heutzutage haben diese Aufgabe mächtige Mähdrescher übernommen. Im Vordergrund steht der Profit und nicht mehr die Verbindung zu Mutter Erde als Kornmutter, welche bis heute für volle Getreidespeicher und damit für unser „täglich Brot“ sorgt. Der erste „Herbstbruder“ zieht ins Land Als der erste „Herbstbruder“ wird Laurentius bezeichnet, einer der meistverehrten und volkstümlichsten Heiligen der katholischen Kirche. Mit seinem Festtag am 10. August beginnt der Anbau der Feldfrüchte des Herbstes. „An Laur...

Erde und Himmel feiern „Heilige Hochzeit“

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Von der „Sunnawend“ und dem „Allerheiligsten“ Zur Sommersonnwendzeit zeigt uns die Erde Wachsen, Blühen und Fruchten zur gleichen Zeit. Sommerlich blau präsentiert sich die Weite des Himmels, durchzogen von schatten- und regenspendenden Wolken. Die meist noch kalten Mainächte sind vergangen und die sommerliche Hitze ist noch nicht ins Land gezogen. Die Wochen rund um den Sommerbeginn sind eine paradiesische Zeit, in der sich die Natur in vollendeter Harmonie entfaltet.

Lebenslust statt Fastenfrust - #ausgefastet

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Das neue Leben, überall tritt es nun von Tag zu Tag mehr hervor. Die Knospen auf unserem Holunderbusch sind schon am Austreiben, die Schneeglöckchen läuten unübersehbar den Frühling ein und auch der Bärlauch spitzelt schon hervor hier bei uns am Haunsberg. Die Natur kommt nun, wortwörtlich und allerorts sichtbar, wieder auf die Welt. Vor unserer Haustüre beginnt das große Leben. Alles sprießt, keimt, bricht auf und schießt förmlich in die Materie.

Die Wassergeister der Salzach | Von der „Drachenschlange“ zu den „Drachentötern“

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Die alten Schöffleut von Oberndorf wussten noch viel von den Geistern zu berichten, die einstens in den Flüssen hausten und auch in der Salzach und ihren verzweigten Nebenarmen ihr Wesen trieben. Besonders das Gebiet, in dem der Oichtenbach in die Salzach mündet, soll einst Sammelplatz der Wassergeister gewesen sein, so nachzulesen in der Salzachschiffer-Chronik von Karl Zinnburg. Kamen die Schiffer in den Abendstunden dorthin, dann riefen sie laut: „Reit ab, reit ab!“ und sie schnalzten mit den Peitschen. Mit diesem Abwehrspruch und den Scheuchlauten versuchten sie, eine Begegnung mit den unliebsamen Wasserbewohnern zu vermeiden.

Frau Percht, alte Göttin des Alpenraums - Von der „schiachen“ Totenmutter zur „schenen“ Wiedergeburtsgöttin

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„Aus dem Flachgau wird erzählt, die Frau Percht zeige sich nachts an Kreuzwegen den Wanderern und Schnittern, wenn sie spät von der Arbeit heimkehren. Sie winkt ihnen freundlich zu und hält denen, die ihr begegnen, ein schwarzes Tuch vor. Nimmt der Wanderer nun das Tuch an, dann stirbt er noch im selben Jahr; schlägt er aber ein Kreuz und spricht: „Frau Perth, Frau Perth, Wirf’s Tücherl um d’Erd“, so kehre Glück und Segen ein in seinem Haus.“. Dies erzählt „Das Salzburger Sagenbuch“ aus dem Jahre 1962.

Kathrein stellt den Tanz ein - Das Jahresrad steht nun still

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Am 25. November gedenkt der katholische Heiligenkalender der Hl. Katharina. Ums Jahr 300 soll sie in Alexandrien das Martyrium erlitten haben, indem sie zum Tod durch Rädern verurteilt worden wäre. Wie auch bei anderen christlichen Überlieferungen von Heiligenlegenden wird erzählt, dass sie nicht gewillt war den Sohn des Kaisers zu heiraten. Stattdessen habe sie Jesus als den richtigen Bräutigam erkannt, als ihr das Jesuskind im Traum einen Verlobungsring an den Finger steckte. Daraufhin habe sie habe sich taufen lassen und mit den 50 besten Philosophen des römischen Kaisers über „Götzenopfer und Aberglauben“ diskutiert. Da die Räder brachen, als Katharina gerädert werden sollte, soll dieses Wunder das Volk und die Kaiserin auf die Seite der Heiligen und des Christentums gebracht haben. Der römische Kaiser soll ihr daraufhin ihre Brüste abreißen und sie enthaupten haben lassen. Doch aus ihrer Halswunde strömte kein Blut, sondern Milch. Katharina wird als katholische Heilige aufgrund de...

Urmutter Anna und das Wissen der Frauen - Die Ursprünge ihrer weitverbreiteten Verehrung und die Verbindung der Heiligen mit alten Frauenkultorten.

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Am nordöstlichen Ausläufer des Haunsbergs ist Anna die „Anna-Kapelle“ von Berndorf gewidmet. In dreifacher Gestalt der „Anna Selbdritt“ erscheint sie dort auf dem Altarbild. Als lehrende Mutter mit dem Buch in der Hand, begegnet uns Anna in der Salzburger Kollegienkirche am Universitätsplatz. Auf dem Ettenberg im Berchtesgadener Land, am Fuße des Untersbergs, findet alljährlich am Sonntag nach dem 26. Juli, dem katholischen Gedenktag der Heiligen, das Anna-Fest statt.   Obwohl die Hl. Anna, die Großmutter Jesu, im Neuen Testament an keiner Stelle namentlich erwähnt wird, ranken sich zahlreiche Legenden um ihre Gestalt und ihr Leben. Im späten Mittelalter kamen Bilder von der Geburt Mariens auf, die von Hebammen gebadet wird. Beliebt sind seither auch jene Darstellungen der Mutter Anna, die ihrer Tochter das Lesen beibringt. Ab dem 13. Jahrhundert werden der Heiligen mehr und mehr Kirchen und Altäre geweiht. Die Blütezeit des Annakultes war die Umbruchzeit am Beginn der Neuzeit, ...

Die Auferstehung der Vegetation - Ostergräber: So bunt wie die wiedererwachende Natur

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Zu Ostern wird in vielen katholischen Kirchen traditionell das „Heilige Grab“ aufgebaut. In einer Inszenierung wird das Osterwunder, die Auferstehung Jesu, den Gläubigen nähergebracht. Der Ursprung dieser Ostergräber ist im Mittelalter angesiedelt. Ihre künstlerische Blütezeit erlebte diese Tradition im Barock. Aufwendige Kulissenbauten entstanden, die immer reicher ausgeschmückt wurden. Im Jahre 1782 schob Kaiser Joseph II diesen „Sensationen“ einen rechtlichen Riegel vor, denn die wahre Andacht würde durch dieses Schauspiel behindert.