JedeFrau - Wenn die Göttin dem Jedermann den Spiegel vorhält

Ein beeindruckendes Multimedia-Theaterstück über patriarchale Machtverhältnisse, weibliche Perspektiven und die Frage, wie wir miteinander leben wollen.
 
Manche Theaterabende wirken noch lange nach. So ging es mir gestern Abend, am 31. Oktober 2026, im Kleinen Theater in Salzburg. Ich durfte „JedeFrau“ erleben: Ein außergewöhnliches Theaterstück, das mich sowohl inhaltlich als auch künstlerisch tief beeindruckt hat.

Die beiden Hauptdarstellenden Tanja Kuntze und Torsten Hermentin auf der Bühne des Kleinen Theaters Salzburg beim Schlussapplaus nach der Aufführung von „JedeFrau“.
Tanja Kuntze als Göttin und Torsten Hermentin als Jedermann - zwei beeindruckende schauspielerische Leistungen in einem außergewöhnlichen Theaterstück.
 
Hinter diesem Stück steht eine Frau, die ich vor fast genau sechs Jahren durch eine ganz besondere Verbindung kennenlernen durfte.
 
Wie die Hl. Corona uns vor sechs Jahren zusammenführte
 
Manchmal sind es ganz unerwartete Begegnungen und Verbindungen, deren Bedeutung sich erst Jahre später offenbart.
 
Vor fast genau sechs Jahren, mitten in der Corona-Zeit, beschäftigte ich mich im Rahmen meiner landschaftsmythologischen Forschungen intensiv mit der Heiligen Corona. Während die Welt vor allem über das gleichnamige Virus sprach, war ich auf den Spuren einer ganz anderen Corona unterwegs: einer alten Göttinnengestalt, die uns aus meiner Sicht im katholischen Kleid einer christlichen Märtyrerin erhalten geblieben ist.
 
Meine Forschungen führten mich unter anderem zum „Groafrauerl“, wie die Hl. Corona im bayerischen Volksglauben auch genannt wird. Besonders beschäftigten mich die alten weiblichen Symbole, die sich hinter ihrer Heiligenlegende entdecken lassen: die Krone und der Kranz als Sinnbilder des schöpferischen, weiblich-erdigen Schoßes, aus dem alles Leben hervorgeht und in den es im zyklischen Wandel wieder zurückkehrt.
 
Darüber veröffentlichte ich am 15. November 2020 meinen Blogbeitrag: Die Heilige Corona – Auf den Spuren des Groafrauerl
 
Auch auf Facebook hatte ich damals über meine Forschungen berichtet. Und genau dieser Beitrag wurde zum Ausgangspunkt einer besonderen Begegnung. Denn Tanja Kuntze, die ich zu diesem Zeitpunkt bereits ein wenig über Facebook kannte, schrieb mir daraufhin eine persönliche Nachricht:
 
„Als ich vorhin deinen Post über die heilige Corona las, hatte ich den Gedanken, sowas eventuell als Performance draußen oder auch virtuell zu entwickeln, eventuell auch im Kontext mit anderen ‚Weibsbildern‘. Wenn du Interesse hättest, könnten wir ja mal telefonieren oder spazieren gehen?“
 
Diese Idee gefiel mir, und so verabredeten wir uns kurze Zeit später zu einer gemeinsamen Runde um den Abtsee in der bayerischen Nachbarschaft.
 
Bei diesem ersten persönlichen Kennenlernen erzählte mir Tanja von ihren künstlerischen Vorstellungen und ihrem Wunsch, sich als Schauspielerin und Autorin verstärkt feministischen und gesellschaftsbewussten Themen zu widmen.
 
Es war also ausgerechnet die Hl. Corona, die uns während der Corona-Zeit miteinander in Verbindung brachte. 
 
Eine alte Frauengestalt, deren Spuren ich damals erforschte, hatte bei Tanja den Impuls ausgelöst, mit mir über eine künstlerische Performance nachzudenken, die auch andere „Weibsbilder“ einbeziehen könnte.
 
Und nun, fast genau sechs Jahre später, durfte ich erleben, was aus Tanjas Wunsch, feministische und gesellschaftsbewusste Themen künstlerisch aufzugreifen, geworden ist.

 

Renate Fuchs-Haberl, die Wildmohnfrau, vor dem Veranstaltungsplakat des Multimedia-Theaterstücks „JedeFrau“ im Kleinen Theater Salzburg.

Sechs Jahre nach unserer ersten Begegnung durfte ich erleben, was aus den künstlerischen Visionen von Tanja Kuntze geworden ist.


Mit „JedeFrau“ hat sie als Autorin, Produzentin und Darstellerin der Göttin ein ebenso mutiges wie gesellschaftlich relevantes Multimedia-Theaterstück geschaffen.
 
Wenn ich heute an unsere erste Begegnung zurückdenke, finde ich diese Verbindung besonders bemerkenswert: Damals brachte uns die Auseinandersetzung mit einer alten Göttinnengestalt zusammen und nun steht Tanja selbst als Göttin auf der Bühne und hält dem Jedermann den Spiegel vor.
 
Was für ein schöner Bogen, der sich hier über sechs Jahre hinweg spannt!
 
Was, wenn Jedermann der Göttin begegnet?
 
Seit mehr als hundert Jahren wird bei den Salzburger Festspielen Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ aufgeführt. Die Geschichte eines reichen Mannes, der angesichts seines Todes sein Leben und Handeln hinterfragen muss und schließlich durch Reue und Glauben Erlösung findet.
 
Doch was ist mit den Frauen in dieser Geschichte? Mit ihren Erfahrungen, ihren Verletzungen, ihrer Sicht auf die Welt? Genau dort setzt „JedeFrau“ an.
Was geschieht, wenn Jedermann nach seinem Tod nicht vor einem männlichen Gott steht, sondern der Göttin begegnet?
 
Einer Göttin, die ihm den Spiegel vorhält und ihn mit jenen Realitäten konfrontiert, die in seiner bisherigen Welt kaum Beachtung fanden.
 
Plötzlich stehen nicht mehr ausschließlich die Erfahrungen, Entscheidungen und Verfehlungen des Mannes im Mittelpunkt. Vielmehr bekommt jene Hälfte der Menschheit eine Stimme, deren Lebenswirklichkeit über Jahrhunderte hinweg von patriarchalen Machtverhältnissen geprägt wurde.
 
Die Göttin konfrontiert Jedermann mit Unterdrückung und Abwertung von Frauen, mit Gewalt, Ungerechtigkeit und tradierten Geschlechterrollen. Dabei spannt das Stück einen Bogen bis in unsere Gegenwart, in der längst überwunden geglaubte Frauenbilder und patriarchale Machtansprüche wieder erschreckend deutlich sichtbar werden.
 
Auch aktuelle Entwicklungen wie digitale Gewalt gegen Frauen, die Verbreitung frauenfeindlicher Weltbilder im Internet und die Rückkehr überkommener Rollenbilder finden darin ihren Platz. Gerade aus meiner frauenbewussten und matriarchalen Perspektive finde ich diesen Wechsel des Blickwinkels besonders bemerkenswert.
 
Denn hier steht die Göttin nicht bloß als weiblicher Ersatz für einen männlichen Gott auf der Bühne. Sie eröffnet eine andere Sicht auf die Welt, hinterfragt Selbstverständlichkeiten und fordert dazu auf, über Verantwortung, Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt nachzudenken.
 
Und genau deshalb ist „JedeFrau“ weit mehr als ein Theaterstück nur für Frauen. 
 
Beeindruckende Schauspielkunst und faszinierende Bildwelten
 
So bedeutsam die gesellschaftliche Botschaft auch ist, ihre künstlerische Umsetzung hat mich mindestens ebenso begeistert. Tanja Kuntze als Göttin und Torsten Hermentin als Jedermann liefern ein großartiges schauspielerisches Zusammenspiel.
 
Besonders beeindruckt hat mich auch Torsten Hermentin mit seiner intensiven Darstellung eines Mannes, dessen bisheriges Weltbild durch die Begegnung mit der Göttin zunehmend ins Wanken gerät. Mit welcher Ausdruckskraft er zwischen Überheblichkeit, Abwehr, Verunsicherung und zunehmender Erkenntnis wechselt. Gemeinsam mit Tanja entsteht daraus eine ebenso eindringliche wie lebendige Auseinandersetzung, die berührt, zum Nachdenken anregt und immer wieder auch Raum zum Lachen lässt.
 
Ein besonderes Kompliment gebührt außerdem der russischen Multimedia-Künstlerin Ekaterina Smirnova. Ihre faszinierenden visuellen Bildwelten verleihen dem Stück eine zusätzliche, unglaublich eindrucksvolle Dimension. Die Projektionen sind nicht bloß eine dekorative Kulisse, sondern werden zu einem wesentlichen Bestandteil des Bühnengeschehens.
 
Diese Verbindung aus eindrucksvoller Schauspielkunst, Humor, Musik und moderner Multimedia-Kunst macht „JedeFrau“ zu einem ganz besonderen Theatererlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
 
Bühne des Theaterstücks „JedeFrau“ im Kleinen Theater Salzburg mit großflächigen visuellen Projektionen als Bestandteil der multimedialen Inszenierung.
Die faszinierenden Bildwelten der russischen Multimedia-Künstlerin Ekaterina Smirnova verleihen „JedeFrau“ eine zusätzliche, eindrucksvolle Dimension.


Liebe Tanja, lieber Torsten und alle, die an dieser Produktion mitgewirkt haben: Was ihr hier auf die Bühne bringt, verdient ein großes Publikum!

Ein Stück, das vor allem auch viele Männer sehen sollten
 
Ich wünsche mir sehr, dass „JedeFrau“ noch viele Menschen erreicht. Und zwar ausdrücklich nicht nur Frauen.
 
Vor allem viele Männer sollten dieses Stück sehen. Nicht um sich persönlich angegriffen zu fühlen, sondern um sich auf einen Perspektivenwechsel einzulassen, der zum Nachdenken und vielleicht auch zum Umdenken anregen kann.
 
Denn patriarchale Machtverhältnisse betreffen uns alle. Und eine Gesellschaft, in der Frauen und Männer einander auf Augenhöhe begegnen, kann nur gemeinsam gestaltet werden.
Ebenso würde ich mir wünschen, dass „JedeFrau“ auch Jugendlichen und Schulklassen zugänglich gemacht wird. Das Stück bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, gesellschaftlichen Machtstrukturen, Frauenrechten und einem respektvollen Miteinander.
 
Gerade jungen Menschen sollte die Gelegenheit gegeben werden, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und Theater kann dafür ein wunderbarer Ausgangspunkt sein.
Und wie passend wäre es, diese Produktion beispielsweise im Rahmen von Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag am 8. März aufzuführen.
 
Damit „JedeFrau“ auch in Zukunft weiterhin auf die Bühne kommt
 
Tanja möchte „JedeFrau“ auch in den kommenden Jahren weiter aufführen. Doch ein solches Projekt braucht nicht nur künstlerisches Können, Kreativität und großes persönliches Engagement, sondern auch Menschen und Organisationen, die Aufführungsmöglichkeiten eröffnen und zur Bekanntheit beitragen.
 
Gestern Abend habe ich Tanja deshalb zugesagt, sie dabei nach meinen Möglichkeiten zu unterstützen. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich einen ersten Beitrag dazu leisten.
 
Meine herzliche Bitte: Helft mit, „JedeFrau“ bekannt zu machen!
 
Vielleicht kennt ihr Kulturveranstalterinnen und Kulturveranstalter, Frauenorganisationen, Bildungseinrichtungen, Theaterinitiativen oder andere Menschen, für die eine Aufführung dieses Stücks interessant sein könnte. Oder ihr seid selbst in einer Organisation tätig, die „JedeFrau“ in ihr Veranstaltungsprogramm aufnehmen möchte.
 
Dann macht auf dieses besondere Theaterprojekt aufmerksam und nehmt Kontakt mit Tanja auf. Weitere Informationen, Hintergründe und Kontaktmöglichkeiten findet ihr auf der offiziellen Website: jedefrau.com
 
Liebe Tanja, ich gratuliere dir von Herzen zu diesem beeindruckenden Werk! Ich freue mich sehr, dass uns vor sechs Jahren die Hl. Corona miteinander in Verbindung gebracht hat und ich nun miterleben durfte, was aus deinen damaligen künstlerischen Visionen geworden ist.
 
Möge „JedeFrau“ noch auf vielen Bühnen zu sehen sein und viele Menschen erreichen und bewegen!
 
Beleuchtetes Theaterplakat zu „JedeFrau“ von Tanja Kuntze im Kleinen Theater Salzburg. Das Plakat zeigt die Göttin in Weiß über einer geschwungenen Treppe und den Jedermann am unteren Ende der Treppe. Daneben stehen Aufführungstermine und Informationen zum Multimedia-Theaterstück.
„JedeFrau“ – die Göttin, ein Jedermann und ein Perspektivenwechsel, der bewegt. Möge dieses außergewöhnliche Theaterstück noch viele Bühnen und Menschen erreichen!

Weitere Informationen und Presseberichte zu „JedeFrau“
 
Mehr über das Theaterstück, seine Entstehung und die Mitwirkenden:
 
Auf der offiziellen Website von „JedeFrau“ gibt es ausführliche Informationen zur Geschichte, zur künstlerischen Umsetzung und zu den Menschen hinter der Produktion. Dort finden sich auch Kontaktmöglichkeiten für interessierte Veranstalterinnen und Veranstalter.
 
 
Begeisterte Theaterkritik in der Dorfzeitung: 
 
Unter dem Titel „JedeFrau – Jedermann aus der weiblichen Perspektive“ berichtete Elisabeth Pichler am 29. September 2026 über die Aufführung im Kleinen Theater Salzburg. Besonders hervorgehoben werden die Vielseitigkeit von Tanja Kuntze, der Humor, die Musik und die beeindruckenden Videoeinspielungen. Auch das männliche Publikum zeigte sich begeistert und bedankte sich mit Standing Ovations.
 
 
ORF Salzburg über das ungewöhnliche Gedankenexperiment:
 
Bereits zur Uraufführung am 24. September 2026 stellte der ORF das Stück vor. Im Mittelpunkt steht die Frage, was geschieht, wenn Jedermann einer Göttin begegnet, die ihn mit patriarchalen Machtverhältnissen und den Lebensrealitäten von Frauen konfrontiert.
 
 
Hinweis vom 1. November 2026: Heute Abend findet die letzte der bisher angekündigten Aufführungen im Kleinen Theater Salzburg statt. Diese Vorstellung wird aufgezeichnet, sodass künftig auch Ausschnitte aus der Inszenierung zu sehen sein sollen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Barbara, Hoffnungsbringerin in finsterer Zeit

Von „Hausdrachen“ und weiblichem Eigensinn

Brigid, Göttin des Lichts und des Neuanfangs